Für E-Mobilität im Tegernseer Tal

Ein Meilenstein auf vier Rädern

Begonnen hat vorerst nur die Testphase. „Eine kleine Petrischale“, nannte Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn bei der Eröffnung die Initiative des städtischen E-Werks. Ohne auf Fördergelder zu warten, hat das Unternehmen eine moderne E-Tankstelle und einen BMWi3 angeschafft. Die Ladesäule ist die erste ihrer Art, an der das E-Werk den gezapften Strom abrechnen kann. Und der E-Flitzer ist die Keimzelle für ein Car-Sharing-Modell im Tal.

Letzteres startet allerdings erst im Januar für die Allgemeinheit. Bis dahin steht der BMW vor allem dem E-Werk mit seinen 36 Mitarbeitern zur Verfügung. Während des Bergfilmfestivals hat die Stadt das E-Auto gebucht, ohnehin wird Rathaus-Chef Hagn manches Mal mit dem auffällig lackierten Auto unterwegs sein. Eine rollende Werbung für das Ziel, die E-Mobilität in Fahrt zu bringen. Firmen könnten mit einem Sharing-Modell ihre Mobilitätsspitzen abdecken, meint Hagn. Allerdings müsse auch ein Umdenken stattfinden. „Wir sind es gewohnt, unsere Mobilität nach unseren Bedürfnissen auszurichten. Aber es geht auch andersrum.“ Heißt: Termine werden so gelegt, dass sie dann stattfinden, wenn gerade ein Auto zur Verfügung steht.

Damit Fahrzeuge elektrisch rollen können, braucht es die nötige Infrastruktur. Sie zu schaffen, ist die große Herausforderung fürs E-Werk. Um sich auszumalen, wie die Anforderungen aussehen, müssen Werkleiter Manfred Pfeiler und sein Team nur aus den Bürofenstern schauen. Dort liegt das ehemalige Krankenhaus-Grundstück, derzeit eine Brachfläche. Bald entsteht dort eine Tiefgarage mit 304 Stellplätzen. Jeder dieser Plätze wird so ausgestattet, dass E-Fahrzeuge dort aufladbar sind. „Und wenn dann 200 Fahrzeuge gleichzeitig am Kabel hängen, gehen in Tegernsee die Lichter aus“, meint Hagn. Damit das nicht passiert, muss der Stromlieferant aufrüsten.

Damit das ökologisch sinnvoll passiert, soll der Strom fürs E-Auto aus alternativ erzeugter Energie kommen. Stefan Drexlmeier, Geschäftsstellenleiter der Bürgerstiftung Energiewende Oberland, hält dies für machbar. „Das Potenzial übersteigt den Bedarf“, meint er. Selbst dann, wenn die Hälfte aller Fahrzeuge elektrisch fahre. „Der Strombedarf könnte durch Solar, Biomasse und Geothermie zwölffach gedeckt werden“, erklärt Drexlmeier.

Er selbst hatte sich ein E-Auto geliehen, um von Bad Tölz zum Termin an den Tegernsee zu kommen – das eigene Fahrzeug der Bürgerstiftung war schon unterwegs. „Wir hatten da gerade eine Mobilitätsspitze“, meinte Drexlmeier. Mit Sharing-Modellen lasse sich das gut abpuffern. Die Bürgerstiftung sei „extrem froh“, wenn sich regionale Stadtwerke engagieren, betonte Drexlmeier. Die E-Mobilität sei eine Chance für jeden, den eigenen Kohlendioxid-Fußabdruck zu verkleinern.

Bei der Einweihungsfeier mit dabei waren auch die Bürgermeister Christian Köck (Rottach-Egern) und Josef Bierschneider (Kreuth) sowie Gmunds Vize-Bürgermeister Georg Rabl. Das Ziel, ein Netz von Ladestationen über das Tegernseer Tal zu legen, ist ein gemeinsames. Wie berichtet, müssen die Gemeinden diese Stationen bezahlen, obwohl das E-Werk für den Strom kassiert. In Rottach hat dies Fragen aufgeworfen, die Hagn bei der Eröffnung aufgriff. Die kommunale Beteiligung sei wegen der hohen Kosten für die Infrastruktur nötig: „Wir gehen hier die ersten sinnvollen Schritte.“

 

Copyright: Merkur Tegernsee, Christina Jachert-Maier